(Um-)Welt 1

Urban Research HS2026

Mario Angst

2026-09-30

Lernziele

Die Studierenden:

  • können die Kategorien Natur und Kultur kritisch im Kontext des Anthropozäns reflektieren
  • können unterschiedliche Perspektiven auf Natur-Kultur/ Natur-Mensch Beziehungen unterscheiden

(Um-)Welt

Natur-Kultur Geometrien

  • Wählt zwei geometrische Formen (eure Wahl)
    • eine Form ist die Natur
    • eine Form ist der Mensch
  • Ihr habt fünf Minuten Zeit
  • Arrangiert die Objekte so, dass sie eure Sicht auf die Beziehung zwischen Mensch und Natur darstellen

(Um-)Welt

Perspektiven auf die Natur-Mensch Beziehung

Muradian and Pascual (2018) bietet uns eine Typologie1:

  • Detachment
  • Domination
  • Devotion
  • Stewardship
  • Wardship
  • Ritualized Exchange
  • Utilization

Was ist eure Perspektive? Ein Selbst-Test

Muradian and Pascual (2018) teilen Perspektiven auf Natur-Mensch Beziehungen anhand von verschiedenen Einstellung zu Schlüsselfragen ein.

Wir spielen dies für uns durch.

Öffnet dafür die Mini-Web-App auf https://ur26.marioangst.ch/interaktiv/natur-mensch-perspektiven.html.

Frage 1 / 7

Ontologie – Trennung Mensch/Natur

Wie klar sind Mensch/Gesellschaft und Natur voneinander getrennt?

  • Klar getrennt. Die Natur ist eine eigenständige Sphäre ausserhalb des Menschen mit völlig anderen Gesetzen.
  • Keine klare Trennung. Der Mensch ist Teil der Natur.

Frage 2 / 7

Ontologie – Handlungsfähigkeit (Agency) der Natur

Hat die Natur einen eigenen Willen? Kann sie handeln?

  • Nein: Die Natur kann nicht handeln. Sie reagiert nur auf äussere Einflüsse.
  • Ja: Die Natur oder Elemente davon verfolgen bewusst eigene Ziele.

Frage 3 / 7

Ontologie – Position der Natur zum Menschen

Wie ist die Natur gegenüber dem Menschen positioniert?

  • Nicht vorhanden / unsichtbar. Natur kommt in meiner Welt kaum vor.
  • Untergeordnet (unterlegen). Die Natur steht hierarchisch unter dem Menschen.
  • Die Natur ist vom Menschen getrennt und erfüllt eine Rolle als Quelle von Gütern und Leistungen. Sie hat keine eigene Rechte.
  • Die Natur ist vom Menschen getrennt und hat eigene Rechte.
  • Der Mensch ist Teil der Natur. Damit ist der Mensch Teil eines umfassenden Systems.
  • Mensch und Natur stehen sich gleichwertig gegenüber. Die Natur ist ein interaktives Gegenüber des Menschen.
  • Die Natur ist dem Menschen übergeordnet (überlegen). Sie ist beispielsweise Ausdruck Gottes / erhaben.

Frage 4 / 7

Emotionale Treiber

Welche Gefühle / Gemütszustände prägen deine Beziehung zur Natur am ehesten?

  • Gleichgültigkeit
  • Angst (Gefühl der Bedrohung)
  • Bedürfnisbefriedigung, Lustgewinn
  • Fürsorge, ästhetisches Erleben, Ruhe/Frieden
  • Zugehörigkeit, Identität, Fürsorge
  • Verpflichtung, Streben nach Gleichgewicht
  • Streben nach Transzendenz, Ausdruck Gottes, Verpflichtung

Frage 5 / 7

Zielorientierung der Interaktion

Worauf ist dein Umgang mit der Natur ausgerichtet?

  • Vorliebe für urbane und technische Räume; Natur ist unwichtig.
  • Kontrolle über die Natur, die als Bedrohung wahrgenommen wird.
  • Natur als Quelle von Gütern und Leistungen.
  • Unberührte Räume und Zustände bewahren; die Natur soll geschützt werden.
  • Selbstbeschränkung, um die Natur zu achten; Natur als umfassendes System, das den Menschen einschliesst.
  • Gleichheit mit der Natur; die Natur als interaktives Gegenüber.
  • Situationen schaffen, die in der Natur enthaltener Göttlichkeit dienen; Natur als heilig.

Frage 6 / 7

Praktiken

Welche Regeln und Normen (geregelte Praktiken) prägen deinen Umgang mit der Natur, beziehungsweise sollten es tun?

  • Es gibt keine geregelten Praktiken gegenüber der Natur.
  • Regeln darüber, wie die Natur kontrolliert werden kann.
  • Regeln darüber, wie der Mensch effektiv und effizient natürliche Ressourcen gewinnen und verwenden kann.
  • Regeln, in denen Abgrenzung unberührter Räume (Wildnis) und Biozentrismus (Eigenrechte der Natur) vorherrschen.
  • Regeln naturzentrierter Bewirtschaftung und selbstauferlegte Verhaltensgrenzen.
  • Regeln auf Basis von Partnerschaft und Gegenseitigkeit.
  • Heiligkeit, die religiöse Praktiken hervorbringt (bspw. Rituale und Tabus).

Frage 7 / 7

Hauptmodus der Interaktion

Wie wird die Beziehung zur Natur konkret gelebt / operationalisiert?

  • Isolation / Nicht-Beachtung
  • Zerstörung
  • Nutzung (ausbeutend oder bewahrend)
  • Bewahrung von Wildnis; wohlwollende Schirmherrschaft
  • In die Natur integrierte Lebensweise
  • Partnerschaft
  • Anbetung / Verehrung

References

Muradian, Roldan, and Unai Pascual. 2018. “A Typology of Elementary Forms of Human-Nature Relations: A Contribution to the Valuation Debate.” Current Opinion in Environmental Sustainability 35 (December): 8–14. https://doi.org/10.1016/j.cosust.2018.10.014.